Russland musste sich im Laufe seiner Geschichte mit vielen Angreifern (den Wikingern, den Skythen, dem Samartinern, den Mongolen…) auseinandersetzen.

Jedes dieser Völker benutzte seine eigenen Waffen und Kampfstrategien. Dies bedeutete für die russischen Soldaten, dass sie vielseitig sein und sich anpassen können mussten. Darüber hinaus ist Russland geografisch gesehen mit seinen Ebenen, Bergen und Wüsten ein mannigfaltiges Land und sein Klima variiert sehr und sorgt sowohl für sehr heiße Sommer, als auch für extrem kalte Winter. Aufgrund dieser Vielfältigkeit, sowohl im Bezug auf die äußeren Bedingungen als auch auf ihre Gegner, hatten die Soldaten keine andere Wahl als eine flexible, vielfältige und multifunktionale Kampftechnik zu entwickeln.

Systema taucht in den Geschichtsbüchern zum ersten Mal im 10. Jahrhundert nach Christus auf. Sowohl Berufssoldaten als auch die zu Kriegszeiten mobilisierte Zivilbevölkerung benutze es und entwickelte es mit der Zeit weiter. Letztere kehrten nach dem Ende eines Kriegs zu ihrem bürgerlichen Leben zurück. Jedoch lernte jeder russische Junge im Laufe seiner Ausbildung grundlegende Kampftechniken und auf Volksfesten wurden regelmäßig Wettbewerbe ausgetragen, in denen Männer mit Waffen oder mit Fäusten gegeneinander kämpften. Diese Art von Wettbewerben erlaubte es den Männern, ihre Kampftechniken in Friedenszeiten zu trainieren.

Als der Kommunismus im Jahre 1917 Einzug hielt, wurden alle früheren Traditionen abgeschafft. Systema wurde als geheime Verteidigungstechnik eingestuft und blieb somit dem einfachen Volk verwehrt. Stattdessen gab man ihnen „Sambo“, eine russische Kampfsportart, die für das Regime nicht zur Gefahr werden konnte. Dennoch wurde das traditionelle Systema von einigen Volksgruppen weiterhin heimlich ausgeübt und auch innerhalb des Militärs in der Spezialeinheit „SpezNas“ wurde es weiter trainiert.

Mikhail Ryabko ist es zu verdanken, dass Systema heute der Allgemeinheit zugängig ist. Er entwickelte eine abgewandelte Form des traditionellen Systema und gründete seine eigene Schule, die „poznaj sebya“ (dt.: „entdecke dich selbst“).

1993 wanderte Vladimir Vasiliev, einer der besten Schüler Ryabkos, nach Toronto (Kanada) aus und eröffnete die erste Systemaakademie außerhalb der ehemaligen USSR, die „Russian Martial Art Systema Headquarters“. Heute werden überall auf der Welt neue Systema-Schulen und Trainingsgruppen gegründet.